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Fußgängerzone
Das Kunstwerk ist Bestandteil der Instandsetzung der Fußgängerzone in Cheb 2009–2010. Die Zeitpforte stellt die Tür in das nicht mehr bestehende Haus dar, das auf dieser Stelle stand. Hier öffnet sich das mittelalterliche Cheb der Industriezeit und der Zukunft. Das Kunstwerk dreht sich um seine Achse ganz unauffällig – in 24 Stunden um 180 Grad. Zu Mitternacht ist es in der Lage „geschlossen“. Zu Mittag, in der Lage „geöffnet“, wird die die Jahreszahl 1061 tragende Kunstwerkseite mit der Zeitachse, in der die bedeutendsten Daten aus der Geschichte von Cheb eingetragen sind, verbunden. Sie geht durch die ganze Fußgängerzone bis zum Jahr 2011 hindurch; d.h. 950 Jahre der belegten Existenz von Cheb. Das Kunstwerk ist 9 Meter hoch, 2 Meter breit und wiegt 3,5 Tonnen.
Als die Bürger in der Hälfte des 19. Jahrhunderts beschlossen haben, wie das Herz des mittelalterlichen Cheb mit der technischen Neuheit damaliger Zeit - mit der Eisenbahn zu verbinden- haben sie einen rasanten Schritt getroffen. An der Südseite des Marktplatzes wurden zwei Häuser abgebrochen und durch diesen Abbau wurde ein neuer ausgedehnter Boulevard zum Bahnhof geführt. Es ist jedoch ein kleiner Fehler geschehen. Der ebene Boulevard mündete auf den Marktplatz vom Süden. Der Marktplatz war aber zum Norden geneigt. Also, richtete sich der Durchblick nicht zum Stöckel, sondern auf seine Dächer- als ob man die Hälfte von einem schönen Foto abschneiden würde.
Mit einem solchen Fehler fanden sich die damaligen Baumeister nicht ab. Gleich wussten sie, was zu tun ist. Sie haben eine altertümliche Lösung genutzt, die in der Städtebaukomposition als point de vue, Blickpunkt oder Akzent bezeichnet ist. Sie stellten einfach in den Durchblick des Marktplatzes eine Statue, damit durch die neue Straße etwas zu sehen ist. Wer durch die neue Straße vom Bahnhof in die Stadtmitte gekommen war, schritt zuerst zur Statue des Imperators und dann, als man an ihm vorbei gegangen war, öffnete sich ihm die Ansicht auf den Egerer Marktplatz in seiner vollen Schönheit. Der Kaiser Josef II. hatte es jedoch nicht leicht. Aus politischen Gründen wurde seine Statue angegriffen, beschimpft, sie musste bewacht werden und zum Schluß nach der Entstehung der Tschechoslowakei, als Symbol der Habsburger Monarchie, mußte sie ganz entfernt werden.
Als unser Atelier im Jahr 1999 mit dem Entwurf für die Anpassung der ganzen Fußgängerzone gewonnen hat, machten wir auf die Tatsache aufmerksam, die seit längerer Zeit niemand mehr auffiel. Und zwar, falls wir die sinnlosen Betonblumentöpfe und Plakatsäulen aus der Fußgängerzone entfernen und der Straßendurchblick erneuert wird, entdecken wir unser altes Problem – durchgefallenen Horizont des Marktplatzes. Wir haben vermutet, daß die Funktion des Blickpunkts erneuert wird, daß wie bei der Statue des Kaisers hier der point de vue geschaffen wird und gleichzeitig hier die Zeitpforte mit der Geschichte von Eger beginnt. Unser Projekt regte einen Bildhauerwettbewerb an, an dem auch Professor Marián Karel mit dem Entwurf der Zeitpforte beteiligte. Die Zeitpforte war genau das, was für unsere Konzeption der Fußgängerzone nötig war, sowohl aus der Sicht der Komposition als auch symbolisch.
Trotz der Formeinfacheit ist das Werk von Marian Karel unglaublich inhaltlich reich und hat eine ganze Reihe von Zusammenhängen. Es ist nicht nur monumentale abstrakte kinetische Plastik eines international anerkannten Künstlers, sondern auch eine moderne Turmuhr. Es handelt sich um eine verfremdete Tür der nicht mehr bestehenden Häuser, es ist Symbol eines Stadttors. Beachten Sie, daß das Fenster in der St. Niklaskirche im Nordende des Marktplatzes größer als irgendein Haus ist.
Es ist Symbol eines Doms, des Glaubens.
Die genauso große Tür im Südteil des Markplatzes an der Stelle des Durchschlages in die Industrieepoche stellt ein Symbol des neuen Weges, der Ära des Vernunfts dar. Manchmal hören wir Beschwerden über die derzeitige moderne Architektur, daß sie mit anderen darstellenden Stilen /Richtungen/ wie zum Bespiel mit klassischer Architektur nicht zusammenarbeitet, wobei es hier keinen Unterschied zwischen dem Architekten, Bildhauer, Künstler gibt. Im Fall der Fußgängerzone in Cheb fielen künstlerische Ambitionen der Architekten, Bildhauer, Designers, grafischen Designers sowie der anderen Stile wie es zum Beispiel Pixel art ist, ineinander.
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